Wo aus Wein Geschichten werden
Unsere Azubis auf Weinreise in der Pfalz
Ein Wein steht auf der Karte. Er wird empfohlen, eingeschenkt und begleitet vielleicht ein ganz besonderes Abendessen. Im Hotelalltag ist er damit zunächst eines von vielen Produkten, mit denen unsere Auszubildenden täglich in Berührung kommen.
Doch wer hat ihn eigentlich gemacht? Wo sind die Trauben gewachsen? Warum schmeckt ein Wein so, wie er schmeckt? Was geschieht zwischen Weinberg, Keller und der fertigen Flasche – und wie viel Handwerk, Erfahrung und Persönlichkeit stecken darin?
Um genau das herauszufinden, tauschten sieben unserer Auszubildenden Mitte September für drei Tage ihren gewohnten Arbeitsplatz an der Nordsee gegen Weinberge und Weinkeller in der Pfalz.
Die Reise führte unsere Gruppe zu den Weingütern Gehrig, Hensel und Markus Schneider. Drei Stationen, die ganz bewusst gewählt waren: Weine dieser Häuser begegnen unseren Nachwuchskräften nicht nur während ihrer Ausbildung, sondern finden sich auch auf unserer eigenen Weinkarte wieder.
Was im Strandhotel sonst als fertige Flasche im Weinkeller oder auf dem Restauranttisch steht, bekam damit plötzlich eine Herkunft. Vor Ort ging es um Rebsorten und Weinberge, um Herstellung und Lagerung, um Fässer, Aromen und unterschiedliche Ausbauarten. Vor allem aber ging es darum, Zusammenhänge zu verstehen.
Die Auszubildenden konnten fragen, probieren und vergleichen – und erleben, wie unterschiedlich Wein entstehen kann. Aus Theorie wurde damit etwas Greifbares.
Anderes muss man gesehen, gerochen und geschmeckt haben.
Wenn Wissen plötzlich einen Ort bekommt
Besonders häufig fiel im anschließenden Feedback ein Name: Weingut Hensel. Der Besuch blieb vielen unserer Auszubildenden in Erinnerung – nicht allein wegen der Verkostung, sondern vor allem wegen der Art, wie dort Wissen vermittelt wurde.
Komplexere Themen wurden anhand praktischer Beispiele erklärt, die Gruppe erhielt Einblicke in Weinbau, Herstellung und Produktion und konnte nachvollziehen, was auf dem Weg von der Traube bis in die Flasche passiert.
Und schnell zeigte sich: Selbst vermeintlich einfache Fragen führen ziemlich tief in die Materie. Warum kann Weißwein aus roten Trauben entstehen? Woher bekommt Rotwein eigentlich seine Farbe? Welchen Einfluss hat ein Holzfass auf den Geschmack? Und worauf achtet man, wenn man einen Wein nicht einfach nur trinkt, sondern bewusst verkostet?
Dass genau solche Details im Gedächtnis geblieben sind, zeigte sich später auch im Feedback der Gruppe.
Andere Teilnehmende beschrieben, dass sie nun bewusster wahrnehmen können, wie ein Wein riecht und schmeckt, wie man ihn richtig verkostet oder welche Speisen mit unterschiedlichen Weinen harmonieren. Aus Theorie wurde damit etwas Greifbares.
Mehr als Wissen aus dem Lehrbuch
Natürlich könnte man über Rebsorten, Weinherstellung und Sensorik auch in einem Seminarraum sprechen. Doch zwischen Reben zu stehen, einen Keller zu betreten, mit den Menschen zu sprechen, die den Wein selbst herstellen, und anschließend das Ergebnis ihrer Arbeit im Glas zu haben, ist etwas anderes.
Plötzlich verbindet sich das Gelernte mit einem Ort, einer Begegnung und einer eigenen Erfahrung. Und wenn später im Strandhotel eine dieser Flaschen auf dem Tisch steht, ist sie eben nicht mehr einfach nur eine Position auf der Weinkarte.
Arbeitsplatz hinausgehen.
Die Weinreise war dabei bewusst nicht nur für diejenigen gedacht, die in ihrer Ausbildung täglich mit Wein arbeiten. Denn manchmal lohnt es sich, den eigenen Arbeitsbereich zu verlassen und zu sehen, was hinter den Produkten, Abläufen und Geschichten steckt, die einem im Hotelalltag begegnen.
Drei Tage Pfalz gehören sicherlich nicht zum klassischen Ausbildungsalltag. Für unsere Azubis bedeuteten sie deshalb vor allem: raus aus dem gewohnten Umfeld, Fragen stellen, selbst ausprobieren, Neues kennenlernen – und Erfahrungen sammeln, die sich in keinem Lehrbuch genauso vermitteln lassen.
Drei Tage miteinander unterwegs
Und irgendwann zwischen Weinbergen, Autofahrten, Verkostungen und gemeinsamen Abendessen trat noch etwas anderes in den Vordergrund.
Wer drei Tage gemeinsam unterwegs ist, erlebt sich schließlich auch einmal außerhalb des gewohnten Arbeitsalltags. Man organisiert sich als Gruppe, verteilt Aufgaben, wartet aufeinander, isst zusammen und sitzt am Abend noch gemeinsam auf der Terrasse.
Dabei entstehen Gespräche, für die zwischen Dienstbeginn, Übergaben und Feierabend sonst oft wenig Raum bleibt.
Gerade diese gemeinsame Zeit tauchte auch im Feedback immer wieder auf. Für ein neues Teammitglied war die Reise beispielsweise eine Gelegenheit, sowohl die anderen Auszubildenden als auch die Begleitpersonen persönlicher kennenzulernen.
Auch das gehört zu Ausbildung. Nicht jedes Lernziel steht schließlich in einem Ausbildungsrahmenplan.
Lernen – auch mit der Kamera in der Hand
Eine zusätzliche Aufgabe begleitete die Gruppe während der gesamten Reise: Unsere Auszubildenden sollten die drei Tage selbst dokumentieren.
Also kamen neben Weingläsern und Notizen auch Kamera und Mikrofon zum Einsatz. Szenen mussten geplant, Aufgaben verteilt und Interviews geführt werden – und zwischendurch musste natürlich auch jemand daran denken, im richtigen Moment auf Aufnahme zu drücken.
So entstand nach und nach eine ganz eigene Dokumentation der Reise: nicht aus unserer Sicht, sondern aus der Perspektive derjenigen, die sie erlebt haben.
Dass gerade das Vlog-Projekt im Feedback als etwas genannt wurde, das bei zukünftigen Weinreisen beibehalten werden sollte, hat uns besonders gefreut. Das Ergebnis werden wir natürlich nicht für uns behalten.
Drei Tage. Drei Weingüter. Viele Eindrücke.
Was nach drei Tagen bleibt
Am Ende einer solchen Reise kann man zählen, wie viele Kilometer gefahren, wie viele Weingüter besucht oder wie viele Weine verkostet wurden. Spannender ist aber eine andere Frage:
Was bleibt davon übrig, wenn die Koffer längst wieder ausgepackt sind?
Vielleicht ist es das Wissen, warum die Schale einer Traube für die Farbe des Weines entscheidend ist. Vielleicht die Erinnerung an einen Keller, ein bestimmtes Fass oder einen Geschmack, den man vorher nicht kannte.
Vielleicht ist es aber auch ein Gespräch auf der Terrasse, eine neue Verbindung innerhalb der Gruppe oder die Erkenntnis, dass hinter einem Produkt, das im Arbeitsalltag ganz selbstverständlich erscheint, Menschen und sehr viel Handwerk stehen.
Die Antworten aus dem Feedback zeigen jedenfalls: Mit nach Cuxhaven kamen nicht nur ein paar neue Fakten über Wein. Sondern auch gemeinsame Erinnerungen, neue Erfahrungen – und vermutlich die eine oder andere Geschichte, die noch eine Weile erzählt wird.
Begeisterung muss man erleben.

